Engadin Bike Giro 2016

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Engadin Bike Giro: Es war die Premieren-Veranstaltung – und es wurde gleich bei der ersten Austragung ein MTB-Rennen der Extraklasse.

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In Silvaplana/St. Moritz beheimatet, bietet der Engadin Bike Giro den perfekten Mix aus kräftezehrenden Anstiegen, Panorama und Flowtrails. Viele der gefahrenen Trails sind keine Geheimtipps – aber die Kombination dieser Trails gepaart mit der professionellen Renn-Organisation lassen die Region mit ihren bizarrblauen Bergseen nochmals in ein ganz anderes Licht rücken.

Tag 1: Freitag, 01. Juli 2016 – Prolog als Bergzeitfahren von St. Moritz zur Bergstation Corviglia (10km / 788 Höhenmeter)

Auf der originalen Zeitfahrrampe der Tour de Suisse startend ging’s für jeden Teilnehmer von St. Moritz auf die 10km-Etappe hinauf zur Corviglia Bergstation auf 2.486m. Eine seltene Gelegenheit, im Zeitabstand von jeweils 15 Sekunden ein MTB-Rennen allein anzugehen. Spannend allemal, da man sich fortwährend am zuvor gestarteten Biker festzubeißen versucht während man die Verfolger auf Distanz zu halten hat. Gleichzeitig gilt es jedoch, seinen Kräftehaushalt nicht schon auf der ersten Etappe in solch eine Schieflage zu bringen, dass man die beiden langen Etappentage mit den Folgen der völligen Übersäuerung und Ermüdung zu büßen hat.

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Für mich war das Ziel auf’m Berg in 52min04s erreicht – was einen Platz im Mittelfeld von knapp 400 Teilnehmern bedeutete. Der Prolog-Sieger Adrien Chenaux benötigte für die gleiche Strecke 36min15s – brutal zu erleben, wie die MTB-Elite den Berg hinaufackert und einem die Leistungsunterschiede aufgezeigt werden.

Zurück zum Campingplatz in Silvaplana ging’s zunächst bergab über den angelegten Flowtrail – noch nicht ahnend, dass dieser Trail am Folgetag Teil der Streckenführung sein wird. Das Grinsen im Gesicht sollte sich also wiederholen und eher noch anwachsen…

Tag 2: Samstag, 02. Juli 2016 – Rundkurs mit Start/Ziel am Silvaplana See (74km /2.419 Höhenmeter)

Ein regnerischer Morgen… In der Nacht setzte entgegen dem Wetterbericht Regen ein und dieser hielt sich auch bis zum Start um 9.15 Uhr. Entsprechend spät füllte sich der Startblock, und die Teilnehmer sinnierten eher über die Vorzüge einer Runde Wellness in der Sauna als über Renntaktik oder Materialwahl. Allerdings machte sich die Meute dann doch pünktlich auf den kräftezehrenden Rundkurs – die Sonne sollte sich ja glücklicherweise dann doch auch noch zeigen.

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Zunächst führte die Strecke oberhalb St. Moritz vorbei an der ehemaligen Olympiaschanze in Richtung Pontresina. Der nur leicht wellige Verlauf auf Forstwegen führte am ersten Trail zu einem Stau, so dass der eigentlich recht flüssig zu fahrende Singletrail immer wieder durch abruptes Bremsmanöver verlangsamt wurde. Hier wäre im Nachhinein ein selektiver Anstieg vor dem Trail wünschenswert gewesen, der die große Gruppe entzerren geholfen hätte. Andererseits muss man sich auch an die eigene Nase packen: die Startblockeinteilung für die 2. Etappe erfolgte aufgrund der Leistung vom Vortag – und durch eine schnellere Prologzeit wäre man auch automatisch weiter vorne mit dabei gewesen.

Bei Pontresina gab es eine kurze Schrecksekunde zu überwinden, als ein Polizist auf eine Unfallstelle hinwies und zum langsamen Passieren aufforderte. Laut Info stürzte ein Teilnehmer mitsamt Bike über die Leitblanke die Böschung herab auf die darunterliegende Straße und musste mit dem Rettungsheli in die Klinik geflogen werden – ich hoffe es geht ihm mittlerweile wieder besser und wünsche eine schnelle und vollständige Genesung!

Mit ordentlich Tempo ging es von Pontresina nach Bever – trotz des recht flachen Verlaufs kostete der teils löchrige Weg mit kleinen Bodenwellen Körner. Ab hier war wohl der Punkt, bei dem sich Etappensieger Karl Platt über die Equipment-Entscheidung für ein Fully freute – zuvor war ein Hardtail die absolut richtige Rennwaffe. In Bever ging es dann fies steil den Berg zur Corviglia hinauf – gespickt mit zwei kürzeren Abfahrten und erneuten Gegenanstiegen. Zum Glück war ich auf meinem Hardtail unterwegs… An der Bergstation angekommen folgte zugleich der Einstieg in den hammergenialen Flowtrail bergab – ein Trail ohne Worte, den man egal welcher MTB-Könnerstufe erlebt haben muss! Der anschließende Anstieg zur Alp Suvretta war noch mit Adrenalin der Abfahrt zu bewältigen – während es ab dort dann auf einem etwas ruppigeren und damit fullyfreundlichen Trail zurück nach Silvaplana an den See ging.

Ergebnis 2. Etappe( 74km / 2.419hm): 05h09min53,9s – 48. Rang AK und gesamt im Mittelfeld etwas nach vorn gekämpft.

Tag 3: Sonntag, 03. Juli 2016 – Rundkurs mit Start/Ziel am Silvaplana See (68km /2.124 Höhenmeter)

War es das kräftezehrende Streckenprofil mit der nach Zeitplan verspäteten Ankunft der Biker am Vortag oder das verlängerte EM-Spiel Deutschland-Italien, welches das Orga-Team zur „Entschärfung“ der 3. Etappe bewog? Es bleibt ungewiss. Am Morgen erreichte uns jedoch die Info, dass uns ein drittes Mal Anstieg bis zur Bergstation Corviglia erspart bleiben würde und wir knapp 400 Höhenmeter weniger zu erklettern hätten – einfach machte das die Schlussetappe trotzdem nicht.

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Die Etappe begann auf den ersten 10km mit hohem Tempo und es war erhöhte Aufmerksamkeit im Pulk erforderlich, um den schottrigen Untergrund nicht als Erinnerung mit nach Hause zu tragen – ein Sturz hätte böse Abschürfungen zur Folge gehabt. Der erste Anstieg entzerrte das Teilnehmerfeld. Das gebotene Traum-Panorama ließ die Anstrengung bergauf etwas besser verarbeiten, als es ein schnöder Waldweg getan hätte. Ab jetzt hieß es immer mal wieder Tempopassagen gemixt mit coolen Trailabschnitten zu meistern – ehe es dann eine sausteile Serpentinenpassage bergauf zu schieben galt. Danach war wieder Bikespaß pur angesagt. Bei Kilometer 33 zwang mich ein durch Wurzeln extrem ausgesetzter Trail kurzzeitig zu Boden, was jedoch nur mit einer leichten Abschürfung am Knie verbunden war. Glück gehabt und weiter geht’s! Ab Bever wurde es dann wieder steil – ein langer Anstieg bei schönstem Wetter nagte an den Kraftreserven. Oben angekommen ging es dann wieder trailig genial in Richtung Ziel nach Silvaplana. Was ein Etappenschluss – und wieder in der Rangliste etwas nach vorn gerückt.

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Engadin Bike Giro – die Ergebnisse der einzelnen Etappen:

  1. Etappe Prolog 10km / 788hm – 00:52:04,4 – 60. Rang AK
  2. Etappe 74km / 2.419hm – 05:09:53,9 – 48. Rang AK
  3. Etappe 68km / 2.124hm – 04:19:01,2 – 42. Rang AK

Resümee zum Engadin Bike Giro:

  • Engadin als Bikespot eine Klasse für sich
  • Wetter war zwar wechselhaft aber trotzdem so gut, dass es einem einen netten Sonnenbrand bescherte
  • Die Nähe zum Campingplatz in Silvaplana ist als T5-Besitzer nicht zu übertreffen – und leckere Pizza mit Blick auf den See gibt’s noch obendrauf
  • Ballern für die Form + Trails für den Spaßfaktor = Engadin Bike Giro
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One Response to Engadin Bike Giro 2016

  1. borreggine pino 11. Juli 2016 at 15:57 #

    nächstes Jahr mit am Start!
    cooler Bericht Herr Teamkollege