Cannondale Enduro Tour 2015 Mollau

CET Mollau 2015
Foto: Dmytro Vakulka | Fahrer: Axel Winterhalter

Die Cannondale Enduro Tour #3 in Mollau am 17.05.2015 war der zweite Renneinsatz des Gravity Teams in der Endurosaison 2015. Wie schon zum ersten Rennen in Belfort sind wir wieder recht früh am Sonntagmorgen mit dem Sprinter beim followmestore in Lörrach gestartet.

Mollau ist ein kleines verschlafenes Nest im Elsass in der Nähe von Thann. Im ersten Moment würde man nicht unbedingt auf die Idee kommen, dass hier ein hochkarätig besetztes Enduro-Rennen ausgetragen wird. Allerdings ist hier ein MTB-Club ansässig, der im Vorfeld großartige Arbeit geleistet hat. Was von „Les Dahus“ in Mollau zur Cannondale Enduro Tour #3 auf die Beine gestellt wurde, war ganz großes Kino.

Unsere Anfahrt mit dem Sprinter sollte relativ unspektakulär werden: gleiches Beladungsprozedere wie schon zur Cannondale Enduro Tour in Belfort, gleiche Besatzung mit Axel Winterhalter, Daniel Landmann, LAST-Teamfahrer Christian Beeretz und mir, und ein nahezu gleicher Anfahrweg – bis auf die Abzweigung über Thann nach Mollau. Aber es sollte zur Ankunft doch noch etwas hektisch zugehen: nach Ausgabe der Startnummern fanden wir den Sprinter mit Plattfuss vor. Hatte uns jemand den Reifen aufgeschlitzt oder war es ein anderes Schadensbild? Wir hatten einen Verdacht. Die Reparatur stellten wir auf das Rennende zurück – Fokussierung auf das Rennen war angesagt.

Cannondale Enduro Tour 2015 Mollau – Liaison 1: 5,7km +460m / Wertungsprüfung Stage 1: 2.8km -369m

Mit dem „Startschuss“ unter dem großen Cannondale-Torbogen ging’s zunächst auf einem Forstweg nach oben. Da die Transferpassagen (Liaison) nicht gezeitet werden, kann man es hier eher gemütlich angehen lassen – wobei aufgrund der zurückzulegenden Höhenmeter keine richtige Gemütlichkeit aufkommt. Mit 460 Höhenmetern in den Beinen erreichten wir den Startpunkt zu Stage 1 – der längsten Wertungsprüfung des heutigen Tages. Hier starteten wir dann im Abstand von 20 Sekunden einzeln in den Trail.

CET Mollau 2015

Der Singletrail war vom Regenschauer am Freitag leicht feucht, aber gut fahrbar. Einzig die Bäume standen mir zu Beginn etwas zu nah am Trail und so tuschierte ich zwei von ihnen mit meinem breiten Lenker – glücklicherweise ohne Folgen für Natur, Mensch und Material. Die Spitzkehren im ersten Teil führten immer wieder zu einer Temporeduzierung. Im mittleren Teil ging’s durch einen Rockgarden, ehe es dann für kurze Zeit auf einem flach verlaufenden Forstweg durchzukurbeln galt.

Mit dem Wiedereinstieg in den Trail schlich sich bei mir ein Fahrfehler ein und so landete ich kurzerhand neben der Strecke – rechtzeitig aus den Pedalen ausgeklickt und doch irgendwie kontrolliert vom Bike abgesprungen. Bäume tuschiert, Strecke verfehlt – jetzt sollte ich doch im Rennen angekommen sein! Der letzte Streckenabschnitt bot wieder etliche Richtungswechsel und ein offenes Wurzelbeet. Insbesondere die Längswurzeln hatten sich wohl zur Aufgabe gemacht, mich mal so richtig lang zu machen. Jedenfalls fand ich mich kurzerhand am Boden liegend wieder – Arbeitskleidung bis zum Helm verdreckt, Rad zum Lenker verdreht, aber Bike und Mensch unbeschadet. Hätten mir die Zuschauer an der Strecke nicht das Ziel vor Augen zugerufen, wäre das wohl mein Rennausstieg gewesen. Am Ende von Stage 1 berichtete mir Landi, dass es auch ihn kurz flachgelegt hatte – nicht gerade der ideale Einstieg in ein Endurorennen.

Cannondale Enduro Tour 2015 Mollau – Liaison 2: 3.4km +314m / Wertungsprüfung Stage 2: 2.3km -392m

CET Mollau 2015
Foto: Dmytro Vakulka | Fahrer: Ronnie Weißenfeld

Den folgenden Uphill zur zweiten Wertungsprüfung sinnierte ich über die Fortführung des Rennens. Der Gedanke an einen Rennausstieg wurde jedoch auch aufgrund des Zuspruchs der Kollegen wieder verworfen und so hieß das ausgesprochene Ziel einfach nur die kommenden Stages genießen und ab sofort sturzfrei bleiben.

Stage 2 startete relativ flach in ein dunkles Waldstück. Der Trail war flowig zu fahren und so erreichte mich recht schnell der Spaßfaktor. Der technisch zu fahrende Zwischenabschnitt mit Stufen, Wurzeln und Kehren war eine willkommene Abwechslung. Im letzten Drittel war ein Sprung von ca. 1m eingebaut, den es auch zu umfahren ging. Beim Sprung hatte sich Christian Beeretz auf seiner Wertungsprüfung einen Plattfuß eingefangen. Ausgerechnet im Bereich der Landung hatte sich eine offene Querwurzel positioniert, die ihm wohl einen Durchschlag bescherte – und so ging’s für ihn zu Fuß weiter. Der letzte Teil des Trails war Grinsestimmung pur. Auf uns lauerte eine sausteile Serpentinenabfahrt, welche uns mit blockiertem Hinterrad bis zum Ende der Wertungsprüfung rutschen ließ.

Cannondale Enduro Tour 2015 Mollau – Liaison 3: 4km +208m / Wertungsprüfung Stage 3: 2.5km -257m

CET Mollau 2015
Foto: Dmytro Vakulka | Fahrer: Daniel Landmann

Für die dritte Wertungsprüfung hatten wir gegen Ende der Bergaufpassage eine Schiebestrecke in Kauf zu nehmen. Mit nun knapp 1.000 Höhenmetern in den Beinen ging’s in Stage 3, welche einen recht schnellen, flowigen Verlauf mit kleinen Sprüngen und Spitzkehren hatte. Gegen Ende der Wertungsprüfung war eine technische Passage angekündigt, die links abzweigend einen Chicken Way eingebaut hatte. Allerdings war diese Alternative keine wirkliche, da man den grünen Pfeil nur im Augenwinkel vorbeirauschen sah. So rauschte man also auf eine Stelle zu, bei welcher man ins Nichts blickte: eine tiefe steile Stufe, die mit kleinen Querwurzeln gespickt war und beim Erreichen der Kante einen schönen runden Auslauf erahnen ließ. Also Finger weg von der Bremse und mit Vollgas hinab. Adrenalingefüllt erreichte man das Ende der Wertungsprüfung und jedem Fahrer war das fette Grinsen nur so ins Gesicht geschrieben – was ein Streckenverlauf!

Cannondale Enduro Tour 2015 Mollau – Liaison 4: 6km +366m / Wertungsprüfung Stage 4: 1.8km -323m

Zur vorletzten Wertungsprüfung hatten wir einen langen Uphill mit 366 Höhenmetern vor uns. Wer sagt eigentlich, dass Endurorennen keine Kondition erfordern und eh nur Bergabgeballer sind? OK, die Stages sind eine Herausforderung an die Fahrtechnik und tendenziell nur bergab – aber was es dafür bergauf zu kurbeln gilt, erfordert doch eine ordentliche Portion Ausdauer. Belohnt wird man dafür dann mit teils traumhafter Aussicht – in diesem Fall gab’s Blick auf den Grand Ballon serviert.

Stage 4 startete auf einem rutschigen Trail mit steilen Passagen, kleinen Sprüngen und Spitzkehren. Der anschließende Rockgarden war etwas knifflig zu fahren. Über einen Forstweg ging’s dann wieder in den Wald auf einen steilen Bergabtrail, welcher kurz vor’m Ortseingang von Mollau endete.

Cannondale Enduro Tour 2015 Mollau – Liaison 5: 3km +160m / Wertungsprüfung Stage 5: 1.8km -160m


Foto: Bilger Lionel | Fahrer: Axel Winterhalter

Zum Startpunkt der letzten Wertungsprüfung gelangte man über eine steile Wiese, die letztlich nur schiebend zu bewältigen war. Hier konnte man schon die Bergabwertung einsehen: ebenfalls auf der Wiese wurde ein sehr kurviger Streckenverlauf abgesteckt, der nur mit einer guten Linie eine schnelle Zeit ermöglichte. Der letzte Teil bis zum Cannondale-Torbogen war für die Zuschauer künstlich angelegt und sowohl springend als auch die Wellen wegdrückend zu fahren.

Cannondale Enduro Tour 2015 Mollau – gesamt 33,3km und 1.500 Höhenmeter

In Summe aller Wertungsprüfungen und mit den Transferpassagen standen letztlich 33,3km und 1.500 Höhen- wie auch Tiefenmeter auf der Uhr. Insbesondere die knackigen Höhenmeter auf dieser komprimierten Strecke mit den anspruchsvollen Bergabpassagen brachten uns an die physische Grenze.

Zum Auffüllen der Speicher gab’s vom Veranstalter ein umfangreiches Menü, welches neben Salat und einer süßen Nachspeise zwei XXL-Hackfleischmaultaschen in Schneckennudelform beinhaltete – Frankreich, das Land der Gourmets…

Mit der Siegerehrung hatten wir aufgrund unserer Platzierungen zwar nichts am Hut, aber dennoch kann von einem erfolgreichen Endurorennen gesprochen werden. Landi kämpfte sich mit etwas Vorsprung auf Axel ins sehr gute Mittelfeld – und ich hatte letztlich wieder mein Ziel erreicht, neben dem Zugewinn an Erfahrung im Endurosport keinen weiteren Abflug zu fabrizieren und ein paar Fahrer zu distanzieren.

Bevor es jedoch zurück zum followmestore nach Lörrach ging, musste noch die Geschichte mit dem Plattfuß am Sprinter gelöst werden. Glücklicherweise war unter den Clubmitgliedern vom VC Mollau ein Mechaniker, der uns beim Befüllen mit der Pannenflüssigkeit behilflich war – nachdem ein zunächst angedachter Radwechsel aufgrund des abweichenden Lochbilds seines organisierten Ersatzrades scheiterte. So fuhren wir dann zwar verspätet aber doch recht zeitgemäß mit Tubeless-Kit gen Heimat.

Merci nochmals an dieser Stelle an den VC Mollau für die perfekte Renn-Orga und insbesondere an Noel Andres für seine spontane Hilfe mit unserem Plattfuss.

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